Nebenbei selbstständig machen: Was du am Anfang brauchst

Du möchtest dir neben deinem Hauptberuf etwas Eigenes aufbauen und zusätzlich Geld verdienen? Dafür musst du nicht unbedingt deinen Job kündigen oder viel Geld investieren.

Wenn du nebenbei selbstständig starten möchtest, kannst du deine Geschäftsidee zunächst in kleinem Umfang ausprobieren. Allerdings gibt es einige Dinge zu beachten, von der Anmeldung bis zu den Steuern.

Hier erfährst du, welche Voraussetzungen wichtig sind und was du für den Einstieg in die nebenberufliche Selbstständigkeit wirklich brauchst.

Was bedeutet es, nebenberuflich selbstständig zu sein?

Nebenberuflich selbstständig bist du, wenn du eine eigene geschäftliche Tätigkeit ausübst, während du beispielsweise weiterhin als Angestellter arbeitest.

Im Unterschied zur hauptberuflichen Selbstständigkeit steht deine selbstständige Tätigkeit dabei nicht im Mittelpunkt deiner beruflichen Tätigkeit. Für die sozialversicherungsrechtliche Einstufung werden unter anderem Zeitaufwand und wirtschaftliche Bedeutung berücksichtigt.

Der Vorteil: Du kannst eine Geschäftsidee ausprobieren, ohne sofort vollständig von ihren Einnahmen abhängig zu sein.

Trotzdem gelten grundsätzlich auch für nebenberuflich Selbstständige steuerliche und organisatorische Pflichten.

Nebenbei selbstständig machen: Das brauchst du zum Start

1. Eine konkrete Geschäftsidee

Am Anfang brauchst du vor allem ein Angebot, für das andere Menschen bereit sind zu bezahlen.

Dafür musst du nicht sofort einen umfangreichen Businessplan erstellen. Viel wichtiger ist, dass du weißt, was du anbieten möchtest und wen du damit erreichen willst.

Stelle dir drei einfache Fragen:

  • Welches Produkt oder welche Dienstleistung möchte ich anbieten?

  • Wer könnte dafür bezahlen?

  • Welches Problem löse ich damit?

Du könntest beispielsweise Websites für kleine Unternehmen erstellen oder digitale Vorlagen verkaufen.

Versuche, deine Geschäftsidee möglichst konkret zu formulieren. Statt einfach nur „Webdesign anbieten“ könntest du dich beispielsweise auf einfache Websites für lokale Dienstleister spezialisieren.

So lässt sich leichter erkennen, welche Kunden du ansprechen möchtest.

2. Genügend Zeit und ein realistisches Budget

Eine Selbstständigkeit neben dem Beruf benötigt Zeit. Besonders am Anfang kommen zur eigentlichen Arbeit auch organisatorische Aufgaben und die Kundensuche hinzu.

Überlege deshalb, wie viele Stunden du pro Woche tatsächlich investieren kannst, ohne dass dein Hauptberuf oder deine Erholung darunter leidet.

Auch die finanziellen Voraussetzungen hängen von deiner Geschäftsidee ab.

Mögliche Anfangskosten sind:

  • Gewerbeanmeldung

  • Website und Domain

  • Software oder benötigte Arbeitsmittel

  • Werbung und Kundenakquise

  • Versicherungen oder fachliche Beratung

Wenn du beispielsweise digitale Dienstleistungen anbietest, kannst du unter Umständen mit wenig Startkapital beginnen.

Kaufe deshalb nicht sofort teure Software oder Ausstattung. Prüfe zuerst, welche Ausgaben für dein Angebot wirklich notwendig sind.

3. Gewerbe anmelden oder freiberuflich arbeiten?

Wenn du dich in Deutschland selbstständig machen möchtest, musst du klären, ob deine Tätigkeit gewerblich oder freiberuflich ist.

Gewerbliche Tätigkeit: Verkaufst du beispielsweise Produkte über einen Onlineshop, handelt es sich normalerweise um ein Gewerbe. Dieses musst du bei der zuständigen Behörde zum Beginn der Tätigkeit anmelden.

Freiberufliche Tätigkeit: Bestimmte wissenschaftliche, künstlerische, unterrichtende oder schriftstellerische Tätigkeiten können als freiberuflich gelten. Dafür ist normalerweise keine Gewerbeanmeldung erforderlich.

Ob deine konkrete Tätigkeit als freiberuflich eingestuft wird, entscheidet das Finanzamt anhand der tatsächlichen Tätigkeit.

Unabhängig davon musst du deine Selbstständigkeit steuerlich anmelden. Dafür übermittelst du in der Regel innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER.

Weitere Informationen findest du im Bundesportal zur steuerlichen Anmeldung.

4. Steuern und Kleinunternehmerregelung verstehen

Auch wenn du nur nebenbei selbstständig bist, musst du dich mit Steuern beschäftigen.

Grundsätzlich können Gewinne aus deiner Selbstständigkeit der Einkommensteuer unterliegen. Deshalb solltest du von Anfang an deine Einnahmen und Ausgaben dokumentieren und Rechnungen ordentlich aufbewahren.

Für kleinere Unternehmen kann außerdem die Kleinunternehmerregelung interessant sein.

Sie betrifft die Umsatzsteuer. Wenn du die Voraussetzungen erfüllst, sind deine entsprechenden Umsätze von der Umsatzsteuer befreit. Du darfst dann auf deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer gesondert ausweisen und kannst grundsätzlich keine Vorsteuer aus deinen Einkäufen abziehen.

Für 2026 gelten grundsätzlich folgende Umsatzgrenzen:

  • Im Gründungsjahr: 25.000 Euro

  • In späteren Jahren: maximal 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Kalenderjahr

Die Grenzen beziehen sich auf den Umsatz, nicht auf deinen Gewinn. Besondere Umsatzsteuerfälle können zusätzliche Pflichten auslösen.

Wichtig: Die Kleinunternehmerregelung bedeutet nicht, dass du automatisch keine Einkommensteuer zahlen musst.

Die rechtlichen Grundlagen findest du beim Bundesfinanzministerium zur Kleinunternehmerregelung.

5. Arbeitgeber und Krankenversicherung prüfen

Wenn du als Angestellter nebenbei selbstständig werden möchtest, solltest du zunächst deinen Arbeitsvertrag überprüfen.

Je nach Vertrag kann es erforderlich sein, die Nebentätigkeit mitzuteilen oder eine Zustimmung einzuholen.

Problematisch kann es insbesondere werden, wenn du deinem Arbeitgeber Konkurrenz machst oder deine Haupttätigkeit durch die zusätzliche Arbeit beeinträchtigt wird.

Eine generelle Genehmigungspflicht für jede nebenberufliche Selbstständigkeit besteht bei gewöhnlichen Arbeitsverhältnissen allerdings nicht.

Auch deine Krankenversicherung solltest du informieren.

Die gesetzliche Krankenkasse prüft anhand deiner individuellen Situation, ob deine Selbstständigkeit tatsächlich nebenberuflich bleibt. Davon können die Versicherungsbeiträge abhängen.

Je nach Tätigkeit können außerdem weitere Versicherungs- oder Meldepflichten bestehen, etwa gegenüber der Berufsgenossenschaft oder der Rentenversicherung.

6. Erste Kunden finden und klein anfangen

Wenn die erforderlichen Anmeldungen erledigt sind, kannst du mit deinem Angebot starten.

Dafür brauchst du nicht unbedingt eine aufwendige Website oder ein professionell gestaltetes Logo.

Wichtiger ist, dass potenzielle Kunden verstehen, was du anbietest.

Du kannst beispielsweise:

  • dein Angebot im beruflichen oder privaten Netzwerk bekannt machen,

  • potenzielle Kunden gezielt ansprechen,

  • deine Dienstleistung auf einer einfachen Website vorstellen,

  • Feedback von ersten Kunden einholen.

Versuche zunächst herauszufinden, ob tatsächlich Nachfrage besteht.

Wenn du erste Aufträge bekommst, erkennst du schneller, welche Leistungen gefragt sind und was du an deinem Angebot verbessern kannst.

Checkliste: So startest du deine nebenberufliche Selbstständigkeit

Mit dieser Checkliste behältst du die wichtigsten Schritte im Blick:

  • Eine konkrete Geschäftsidee und Zielgruppe festlegen
  • Verfügbare Zeit und mögliche Anfangskosten einschätzen.

  • Arbeitsvertrag prüfen und erforderliche Absprachen treffen.

  • Gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit klären und gegebenenfalls Gewerbe anmelden

  • Steuerliche Anmeldung über ELSTER erledige

  • Krankenversicherung informieren und weitere mögliche Pflichten prüfen.

  • Einnahmen, Ausgaben und Rechnungen ordentlich dokumentieren

  • Ein erstes Angebot erstellen und Kunden gewinnen.

Häufige Fehler beim nebenberuflichen Start

Zu viel Geld investieren: Eine teure Website oder umfangreiche Ausstattung bringt wenig, wenn noch niemand dein Angebot kaufen möchte. Investiere zunächst nur in Dinge, die du wirklich benötigst.

Den Zeitaufwand unterschätzen: Neben einem Vollzeitjob bleibt oft weniger Zeit als gedacht. Plane feste Arbeitszeiten ein und berücksichtige auch administrative Aufgaben.

Anmeldungen und Steuern ignorieren: Auch geringe Einnahmen bedeuten nicht automatisch, dass du keine Pflichten hast. Informiere dich rechtzeitig über die notwendigen Anmeldungen und führe deine Unterlagen sorgfältig.

Fazit: Nebenbei selbstständig starten – lieber klein als perfekt

Wenn du dich nebenbei selbstständig machen möchtest, brauchst du nicht unbedingt viel Startkapital. Eine klare Geschäftsidee, ausreichend Zeit und ein realistischer Plan sind zunächst wichtiger.

Kläre frühzeitig, welche Anmeldungen, steuerlichen Regelungen und Versicherungsfragen für dich relevant sind.

Starte anschließend mit einem überschaubaren Angebot und prüfe, ob es dafür zahlende Kunden gibt. So kannst du Erfahrungen sammeln, bevor du größere Investitionen tätigst.

Häufige Fragen

Kann ich neben einem Vollzeitjob selbstständig sein?
Ja, grundsätzlich kannst du auch neben einer Vollzeitbeschäftigung selbstständig arbeiten. Prüfe jedoch deinen Arbeitsvertrag und mögliche Interessenkonflikte mit deinem Arbeitgeber. Außerdem solltest du deine Krankenversicherung über die zusätzliche Tätigkeit informieren. Entscheidend ist unter anderem, dass deine Selbstständigkeit deinen Hauptberuf nicht beeinträchtigt.
Wie viel Geld brauche ich, um nebenbei selbstständig zu starten?
Das hängt von deiner Geschäftsidee ab. Für bestimmte digitale Dienstleistungen benötigst du möglicherweise nur einen Computer, passende Software und einen Internetanschluss. Bei einem Onlineshop können dagegen zusätzliche Kosten für Waren, Lagerung und Versand entstehen. Kalkuliere deshalb deine tatsächlichen Anfangskosten, bevor du Geld investierst.
Kann ich nebenbei selbstständig sein, ohne ein Gewerbe anzumelden?
Ja, wenn deine Tätigkeit als freiberuflich eingestuft wird, benötigst du normalerweise keine Gewerbeanmeldung. Freiberufler müssen ihre Tätigkeit allerdings beim Finanzamt steuerlich anmelden. Bei einer gewerblichen Tätigkeit ist hingegen grundsätzlich eine Gewerbeanmeldung erforderlich, auch wenn du nur nebenberuflich arbeitest.